Kardinal Frings Theater "KFT"

Die letzten Tage der Menschheit. 
Ein Kriegsspiel – kinderleicht gemacht!


Eine Produktion des Kardinal-Frings-Theaters 2014/15
Am 5. und 6. März 2015 präsentierte das Kardinal-Frings-Theater (KFT) unter der Leitung von Andreas Amberg Karl Kraus’ „Die letzten Tage der Menschheit“.


Das KFT feiert in diesem Jahr seine 15. Saison. Dieses kleine Theaterjubiläum im Schulalltag steht jedoch im Schatten eines anderen „Jubiläums“: 100 Jahre Erster Weltkrieg. Das Thema Krieg hat leider besonders im vergangenen Jahr wieder an dramatischer Aktualität gewonnen, auch in Europa und für jeden einzelnen für uns. Kein Jahr nach 1945 war so „kriegsreich“ wie 2014, so der aktuelle Bericht der Vereinten Nationen.

Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 11 näherten sich in der diesjährigen KFT-Produktion dem Riesenwerk eines verzweifelten Idealisten und Satirikers, der sich selbst im Drama die Rolle des Nörglers zugeschrieben hat. Der Autor und Journalist Karl Kraus hielt sein Werk von über 330 Szenen mit hunderten von Darstellern für unaufführbar – in gekürzter Form brachte das KFT es jetzt auf die Bühne.

Gewidmet ist das Stück den Leidtragenden aller Kriege, den Kindern. In diesem Sinne wird „Die letzten Tage der Menschheit“ in der KFT-Produktion zu einem Kinderspiel – scheinbar verharmlost mit Spielsachen, tatsächlich aber von Akt zu Akt durch reale Photographien und den ungeheuerlichen Text von Karl Kraus bis in die Katastrophe gesteigert. Wäre da nicht ein kleiner friedlicher Junge...

Sowohl die Premiere als auch die zweite Aufführung zeigten enorme Leistungen des Ensembles. Über drei Stunden zogen die Schauspielerinnen und Schauspieler das Publikum von Szene zu Szene immer mehr in ihren Bann. Von anfänglichem Bemühen, sich in die Jahre 1914 bis 1917 hineinzudenken über das Lachen bei großartig dargebotenen Persiflage-Szenen bis hin zu erschrockenem Innehalten und Beklemmung im weiteren Verlauf des Stücks und besonders im letzten Akt mit den Szenen am Galgen waren die Zuschauer angesprochen, gefordert und betroffen, vor allem aber beeindruckt von Umfang, Anspruch und professioneller Umsetzung des dargebotenen Stücks sowie vom schauspielerischen Können der Schülerinnen und Schüler.

Rückblickend äußern sich einige der Mitwirkenden wie folgt zu den „Letzten Tagen der Menschheit“:

“Trotz der ganzen Anstrengung, ist das KFT eine unglaublich tolle Erfahrung und tolle Zeit”  Amina Lachstädter

“Das KFT hat sehr viel Spaß gemacht und sich auf jeden Fall gelohnt, auch wenn es manchmal anstrengend war. Es war ganz anders als der Schulalltag und so etwas erlebt man wahrscheinlich nur einmal während der Schulzeit.”  Anne Gerhardus

“Es war eine sehr abwechslungsreiche Zeit mit vielen Höhen und Tiefen, die sich auf jeden Fall gelohnt hat, da man diese einmalige Erfahrungen sammeln konnte, die man sonst nie hätte erfahren dürfen.”  Armin Hammerschmidt

“Neue Türen öffnen sich”  Tobias Schäfer

“KFT war für mich eine Herausforderung, aber ich bin sehr froh und stolz, dass ich an so einem großen Stück teilhaben konnte.” Lina Zubedi

“Für mich war es eine ganz neue Erfahrung, für die ich sehr dankbar bin. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich ein Teil des diesjährigen KFT-Ensembles sein konnte.” Arturs Apinis

Auch Regisseur Andreas Amberg zieht eine positive Bilanz der diesjährigen Produktion:

"Welch´ein Ereignis für uns alle: das Ensemble, das Regieteam, das Publikum - ein beglückendes Gemeinschaftserlebnis für alle Beteiligten, geschenkt uns allen gegen jeweils 23 Uhr am 5. und 6. März in der Aula des Kardinal-Frings-Gymnasiums. Dieser "kairos", der einmalige günstige Augenblick, ist etwas ganz Seltenes, ich erinnere mich auch nach "Draußen vor der Tür"(KFT 2003) und "AntiGone" (KFT 2005), aber auch nach dem Schlussbild der "Nashörner"(KFT 2007) an ihn. Es war jeweils nach politisch-gesellschaftlich nahe gehenden Stücken. "Die Physiker" (2001) habe ich vergessen, nachdem sich die drei angeblich irren Intellektuellen nach unserer Fassung hinter der Bühne erschossen hatten. Von wegen, es gibt kein politisches Theater, die Schülerinnen und Schüler seinen politikverdrossen und wenig gesellschaftsaffin. Natürlich sind es die Mit-Schüler, die einen im Schultheater interessieren, aber wenn sie so sehr wie auch gerade dieses Jahr über sich hinaus wachsen, dann kann man nur staunen. Und was kann Theater Schöneres vermitteln!?

Dabei heißt es für mich - im Gegensatz zu manchen Musikformationen an unserem durchaus musischen Gymnasium: immer wieder ganz von vorn anzufangen: bisher 15 Mal von Null auf Hundert. Früher mit den 12er -Grundkursen, nun mit den 11ern: Warm-up-Phase mit ersten Übungen zu Stimme, Bewegung, Gestik, Mimik - Testlauf  "Tag der offenen Tür" im Herbst, meist ein kleines , v.a. für Grundschulkinder verfasstes Programm mit oft lyrischen Texten, dramatisiert, immer dabei und Motto-Gedicht des KFTs: "ottos mops" von Ernst Jandl, diesmal gar mit echtem Mops in der Aula! Gestärkt von den ersten motivierenden Publikumsreaktionen und Rollenerfahrungen geht es dann in die herbstwinterliche Probenphase des eigentlichen Stücks, immer wieder unterbrochen und oft verlängert durch schulorganisatorische Dinge, die selbstverständlich auch alle KFT-Mitglieder erfassen: Klausurphasen, Sport- und Schulwettbewerbe wie Business at School. Aber ganz wichtig auf dem Weg zur Inszenierung sind die Probentage um den Halbjahreswechsel, meist im Ahrtal, ein Mal im Wien-Tal, für unser einzigartiges Kaffeehouse-Projekt! KFT unterwegs gehört öfter zum Profil, mehrfach schon durften wir im Rahmen von Theaterfestivals als "Gewinner" in Profihäusern wie den Kammerspielen, dem Jungen Theater oder der Bundeskunsthalle auftreten. (ausführliche Informationen  zu 15 Jahre KFT im Beitrag zur Festschrift "50 Jahre KFG)

Auch diesmal haben wir uns mit "Die letzten Tage der Menschheit" bei "spotlights", dem renommierten Festival der Jungen Theatergemeinde, beworben, nicht zuletzt wegen der Thematik des Stückes, die uns während der Probenzeit so nah gekommen ist wie dem Publikum bei der Aufführung selbst: "Der große Krieg", den Karl Kraus Anfang des 20. Jahrhunderts von der Seele schrieb, steht bedrohlich nah erneut vor der Tür. Hier muss Theater und auch gerade Schultheater ein Zeichen setzen können: "Wir widmen unser Stück allen Kindern, die unter den Kriegen und Auseinandersetzungen dieser Welt leiden."

Das KFT-Ensemble 2014/15:

Arturs Apinis, Johannes Curio, Anne Gerhardus, Johannes Hahn, Armin Hammerschmidt, Amina Lachstädter, Stefanie Müller, Philip Neumann, Felix Orth, Tobias Schäfer, Martin Strauven, Lina Zubedi

Kevin Schröder (Regieassistenz), Andreas Amberg (Regie)

 

Ein weiterer Bericht zur KFT-Aufführung findet sich auf der Homepage des Erzbistums Köln (http://www.erzbistum-koeln.de/kultur_und_bildung/schulen/katholische_freie_schulen/redaktion/letzte_tage_der_menschheit/)