Erfahrungsbericht einer Germnistikstudentin

Über den Aufbau des Germanistikstudiums und die ersten Erfahrungen an der Universität Köln berichtet eine ehemalige Schülerin:

 

Mein Germanistikstudium an der Kölner Universität

Ein Erfahrungsbericht von Irene Gössel


 

Als das letzte Jahr hinter den großen, schützenden Mauern der Schule angebrochen war, stand auch ich vor der großen Frage: „Was soll ich nur werden?“ Nach langem Hin- und Herüberlegen und endlos langen Pro- und Contra-Listen kam ich zu dem Schluss, mich für ein Lehramtsstudium an der Universität in Köln zu bewerben. Nun studiere ich bereits im vierten Semester Germanistik und kann von mir behaupten, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.
Wie so oft im Leben, standen die ersten Wochen an der Uni unter dem Motto: „Aller Anfang ist schwer.“ Als zweitgrößte Universität Deutschlands mit rund 48.000 Studenten kam es nicht selten vor, dass man sich im Campus-Dschungel verlief und sich in die endlos lange Schlange des Informationsschalters einreihen musste, um sich dort nach dem Weg fragend als „Ersti“ zu outen.
Doch das Auffinden der Räumlichkeiten ist nicht das einzige Problem, das auf neue Studenten zukommt. Die vielen Freiheiten, die man als Student genießt, wie zum Beispiel das selbstständige Zusammenstellen eines Stundenplans, entpuppen sich als echte Schwierigkeit. Im Studienplan ist von Modulen, Proseminaren und Tutorien die Rede, und auch die vielen Abkürzungen wie SWD, ÄDL, NDL, GSK und SWS erklären sich nicht von alleine. Dank der vielen informativen, leider aber auch überfüllten Einführungsveranstaltungen, klärte sich auch dieses Kaudawelsch schnell auf: SWS heißt beispielsweise Semesterwochenstunden.

Das Gemanistikstudium ist in ein Grund- und in Hauptstudium aufgeteilt. Im Grundstudium werden die Grundlagen vermittelt, auf welche das Hauptstudium aufbaut. Deutsch wird außerdem in Modulen studiert. Es gibt insgesamt vier Module: SWD (Sprachwissenschaften des Deutschen), ÄDL (Ältere deutsche Literatur), NDL (Neuere deutsche Literatur) und GSK (Grund- und Schlüsselkompetenzen). Zu jedem Modul muss im Grundstudium ein Einführungsseminar, eine Vorlesung und ein Proseminar besucht werden. Diese Veranstaltungen werden entweder mit einer Klausur oder einer Hausarbeit (vergleichbar mit der Facharbeit an der Schule) abgeschlossen.
Mit dem aus der Schule bekannten Unterricht hat das Studium nicht mehr viel zu tun. Im sprachwissenschaftlichen Einführungsseminar kam ich mir sehr verloren vor, als von Syntax, Morphologie, Phonologie, Semantik und Pragmatik die Rede war. An den fragenden Blicken meiner Kommilitonen war jedoch abzulesen, dass ich mit meiner Unwissenheit nicht allein dastand. Doch man wächst ja bekanntlich mit seinen Aufgaben! Nach und nach ging uns allen ein Lichtlein auf und die gefürchtete Abschlussklausur war halb so schlimm wie erwartet.
Ein Semester später musste ich mich mit der älteren deutschen Literatur herumschlagen. Mittelhochdeutsche Grammatik und das Nibelungenlied standen hier auf dem Programm. Für mich persönlich war dieses Seminar eine Qual, da ich gehofft hatte, mich nach meinem Latinum nie wieder mit einer toten Sprache auseinandersetzen zu müssen. Aber auch dies lässt sich mit etwas guten Willen und Fleiß bewältigen.
Viel Spaß macht mir jedoch der Bereich der neueren deutschen Literatur. Dieses Modul ist dem Schulunterricht am nächsten. Es wird viel gelesen, diskutiert und Ausschnitte aus der deutschen Literaturgeschichte dargestellt. Auch GSK, also das Modul der Grund- und Schlüsselkompetenzen, ist sehr interessant, da hier Grundbegriffe der Literatur geklärt und vermittelt werden, ohne die ein Studium nicht möglich wäre.

Der Studienplan sieht als Regelstudiendauer neun Semester vor, einschließlich des ersten Staatsexamen als große Abschlussprüfung. An das Studium schließt sich ein zweijähriges Referendariat an einer Schule an, das mit dem zweiten Staatsexamen endet. Hat man all dies bestanden, steht dem Beruf als Lehrer nichts mehr im Wege.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass die Kölner Universität aufgrund ihrer Größe sehr anonym ist, wo man sich oft durchbeißen und viel Eigeninitiative zeigen muss. Das Deutschstudium ist manchmal etwas trocken, oft aber auch hochinteressant, – aber für Personen, die Interesse an der eigenen Sprache und der deutschen Literatur haben, genau das Richtige.