Fördermaßnahmen in 5, 6, 7 bzw. in 10, 11

Förderunterricht im Fach Deutsch bieten wir - je nach Stellenplan - in den Klassen 5, 6 und manchmal auch 7 an.

Was ist Förderunterricht?
Unterrichtsbegleitend werden einzelne Einheiten aus dem Rechtschreib- und Grammatikunterricht wiederholt, vertieft und weiter trainiert. Arbeitsblätter, besondere Materialien und Übungsaufgaben dienen der Komplexitätsminimierung, Prozessorientierung und inneren Differenzierung.

Die verpflichtende zusätzliche Förderstunde liegt nach unserem schulinternen Förderkonzept in der Jahrgangsstufe 5 und wird nach einer eingehenden Diagnose im zweiten Halbjahr differenziert (nach Rechtschreib- und Grammatikschwächen, Wortarbeit und Ausdrucksschulung sowie Deutsch als Zweitsprache) erteilt.

 

Angleichungskurse in der EF., evtl. auch Q1, üben Sachtextanalysen und arbeiten am je individuellen sprachlichen Ausdruck. Auch individuelle Anfragen zur Facharbeit können geklärt werden.

Nach den Paragrafen 8, 11 und 13 der Verordnung über den Bildungsgang und die Abiturprüfung (APO-GOSt) richten wir in der EF bei Bedarf Vertiefungskurse ein, die der Aufarbeitung von Leistungsdefiziten im Kernfachbereich Deutsch dienen. Dabei geht es also um die Weiterentwicklung und Sicherstellung der Kompetenzen, die für eine erfolgreiche Mitarbeit in der Qualifikationsphase erforderlich sind.  Diese Kurse werden im Rahmen von zweistündigen Halbjahreskursen angeboten und werden nicht mit einer herkömmlichen Benotung, sondern mit einer qualifizierenden Bemerkung („mit … Erfolg teilgenommen“) abgeschlossen.

 

Warum Förderunterricht?
Die Vorteile liegen auf der Hand: Durch die kleinere Gruppengröße kann individuell auf die jeweiligen Schwächen der einzelnen Schüler eingegangen werden. Zudem lernt es sich in einer Gruppe mit Schülern, die die gleichen Probleme haben, angeleitet von einem „fremden“ Deutschlehrer, oftmals leichter. Die Fördergruppen werden zumeist von Referendaren übernommen, die gerade in diesem Bereich des Diagnostizierens und Förderns viel Engagement und neue Methoden einbringen. 

Wer sind die Teilnehmer?
Wer an diesen Fördermaßnahmen teilnehmen soll, entscheidet der betreffende Deutschlehrer. Um effizient arbeiten zu können, ist die Teilnehmerzahl beschränkt.  Wir hoffen diesbezüglich auf Ihr Verständnis!

Erwartet wird eine regelmäßige Teilnahme. Für die Oberstufenschüler ist diese Pflicht; ansonsten gibt es einen entsprechenden negativen Vermerk auf dem Zeugnis. 

Unser Gymnasium bietet diese Fördermaßnahmen an im Sinne der eigenverantwortlichen Schule in Zusammenhang mit der Standardüberprüfung und Qualitätssicherung (vgl. Erlass des Ministeriums für Schule und Weiterbildung NRW).

 

 

Legasthenie

Welche Regelungen gelten für Schüler mit Legasthenie?

Bei entsprechendem Nachweis von Lese- und Rechtschreibschwächen kann bis ins 6. Schuljahr von einer regulären Benotung der Klassenarbeit (insbesondere der Diktate) abgesehen werden und stattdessen eine Bemerkung, „die den Lernstand aufzeigt und zur Weiterarbeit ermutigt“ (vgl. den Legasthenie-Erlass an Schulen in NRW; Zitate im folgenden sind ebenfalls diesem Erlass entnommen), abgegeben werden:
„Die Rechtschreibleistungen werden nicht in die Beurteilung der schriftlichen Übungen im Fach Deutsch einbezogen.“
Im Einzelfall kann der Lehrer auch eine andere Aufgabe stellen oder mehr Zeit einräumen.
Nur in besonders begründeten Einzelfällen gilt dies auch noch in den Schuljahren 7 bis 10.

Bis spätestens zum 7. Schuljahr sollte die Leseleistung und die Rechtschreibung so gesichert sein, dass der Schüler gut mitkommt, da diese Grundfertigkeiten vermehrt auch in anderen Fächern abverlangt werden (nun auch in Lateinisch und in weiteren Nebenfächern). 

Bei der Bildung der Zeugnisnote im Fach Deutsch ist der Anteil des Rechtschreibens „zurückhaltend zu gewichten“. Ein zusätzlicher Eintrag in der Rubrik ’Bemerkungen’ kann erfolgen. Bei Entscheidungen über die Versetzung oder die Vergabe von Abschlüssen dürfen die Leistungen im Lesen und Schreiben nicht den Ausschlag geben. 

Wo bekommen Sie professionelle Hilfe?

Eine professionelle Diagnose und gezielte Förderung in einem entsprechenden Institut ist erforderlich. Sie haben die Auswahl unter folgenden Instituten:

- “Schülerhilfe“ [in jeder größeren Stadt zu finden], 
- “Institut für Legasthenie- und Lerntherapie (ILT) Bonn“ [Tel.Nr.: 0228/ 658687] mit den Experten Uwe Findeisen, Andrea Hanke und Gisela Melenk 
- “Lehrinstitut für Orthographie und Schreibtechnik (LOS)“ [Tel.-Nr.: 0228/ 669945] in Bonn, Bad Godesberg oder Siegburg, 
- “Pädagogisch-Therapeutische Einrichtung (PTE) für Lese-Rechtschreibschwäche, Rechenschwäche, Aufmerksamkeitsstörung“ mit dem Leiter    Thomas Jesumann in Bonn-Endenich [Tel.-Nr.: 0228/ 6199870] 
- “Praxis für Integrative Lerntherapie“ [Tel.-Nr.: 0228/ 9765686] mit der Ansprechpartnerin Gisela Nett, Mutter eines Schülers an unserer Schule. 

 
Bitte überprüfen Sie selbst, ob das Verhältnis von Effizienz und Kosten stimmt!

 

 

Weitere Informationen zur Legasthenie

Legasthenie. Was ist das?


"Die Lese- und Rechtschreibschwäche wird mit einer ganzen Reihe von Faktoren in Zusammenhang gebracht. Häufig ist deren Einfluss jedoch nicht belegt. Umfangreiche Forschungsarbeiten, die gerade in den letzten Jahren durchgeführt wurden, deuten als zentrale Ursache auf ein spezielles Problem im Gedächtnis hin: das Abspeichern und Abrufen von Sprache. Andere Gedächtnisbereiche neben der Sprache sind nicht oder kaum betroffen.

Die Schwierigkeiten beginnen schon mit der gesprochenen Sprache. Zu Beginn des Schriftspracherwerbs fällt es den betroffenen Kindern jedoch besonders schwer, gesprochene Wörter in ihre einzelnen Laute zu zerlegen. In der Fachsprache sagt man, es fehle ihnen an einer phonologischen Bewusstheit. Darüber hinaus brauchen sie sehr lange, um sich die Buchstaben-Laut-Beziehungen einzuprägen. Ein Teil der lese-rechtschreibschwachen Schüler/-innen tut sich außerdem mit dem „Zusammenschleifen“ von Buchstaben zu ganzen Wörtern schwer. Sollen die Kinder z.B. das Wort „rot“ lesen, so können sie „r-o-t“ sagen. Sie sind aber nicht in der Lage, die drei Laute zu dem Wort „rot“ zu verbinden. Im weiteren Verlauf des Schriftspracherwerbs besteht das Problem lese-rechtschreib-schwacher Kinder darin, dass sie die orthografischen Besonderheiten von Wörtern (z.B. riechen, Wetter, nehmen) nicht so gut abspeichern und wieder aus dem Langzeitgedächtnis abrufen können. Wie kann man den Kindern helfen? Am Anfang des Lesen- und Schreibenlernens tut man gut daran, besonders intensiv die Fertigkeiten einzuüben, an denen es den Schülerinnen und Schülern mangelt: die Phonologische Bewusstheit, die Buchstaben-Laut-Beziehungen und das Zusammensetzen von Buchstaben zu Wörtern. Hilfreich ist es auch, beim Lesen die Wörter in Silben zerlegen zu lassen.

Zum Einüben der Rechtschreibung kann man sich auf solche Wörter konzentrieren, die die Kinder immer wieder falsch schreiben. Eine gute Strategie ist es, vornehmlich diejenigen fehleranfälligen Wörter einzuüben, die in Diktaten und Aufsätzen besonders oft vorkommen (z.B. jetzt, ziemlich, nehmen). Solche häufig auftretenden Fehlerwörter decken einen nicht unbeträchtlichen Teil der Gesamtfehlerzahl eines jeweiligen Schülers ab. Dadurch tragen sie zur Verbesserung der Rechtschreibleistung stärker bei als alle anderen Wörter. Bei allem, was man unternimmt, muss jedoch Folgendes bedacht werden: ein Wundermittel, das das Problem in kurzer Zeit beseitigt, gibt es nicht. Stetes Üben ist auf jeden Fall erforderlich. Um dabei kostbare Zeit nicht mit fragwürdigen Methoden zu vergeuden, sollte man sich auf Übungen konzentrieren, deren Erfolg konkret nachweisbar ist." 

[Dr. Gero Tacke ist Schulpsychologe in Tauberbischofsheim. Seit vielen Jahren beschäftigt er sich mit dem Thema Lese-Rechtschreib-Schwäche. Er arbeitet mit betroffenen Kindern und deren Eltern, führt Fortbildungsveranstaltungen für Lehrkräfte durch und hat neben Materialien zum Lesen- und Rechtschreiben-Lernen eine Reihe von Artikeln im Bereich LRS veröffentlicht. Darüber hinaus hat er wissenschaftliche Studien durchgeführt, die in Fachzeitschriften publiziert wurden.]

 

 

Auswirkungen der Lese- Rechtschreibschwäche

 

Auffälliges Verhalten. Ursache oder Folge?

"Auffällig ist, dass bei Kindern und Jugendlichen mit einer Lese- und Rechtschreibschwäche gleichzeitig emotionale Störungen und Verhaltensauffälligkeiten auftreten, die sowohl in der Schule wie auch in der häuslichen Umgebung zu beobachten sind. Man darf also die Legasthenie keinesfalls als ein Phänomen ohne Bezug zur Gesamtpersönlichkeit des Kindes oder Jugendlichen sehen, sondern muss sich auch Gedanken um die entwicklungsbezogene Situation und das soziale Umfeld deines Kindes mit einer Lese- und Rechtschreibschwäche machen.

In den vorliegenden Untersuchungen schwanken die Angaben über das Ausmaß dieser Problematik sehr stark. Diesen Angaben zufolge leiden 20 bis 80 Prozent der Legastheniker unter psychischen Störungen (vgl. E.MALMQUIST/ R.VALENTIN; 1974). Anhand dieser Zustandsbeschreibung stellt sich selbstverständlich automatisch die Frage: Was ist bei psychischen Fehlentwicklungen als Verursachungsmoment einer Legasthenie, was ist als Folgesymptomatik zu betrachten? So einfach kann diese Frage jedoch nicht beantwortet werden, da ihr ein monokausaler Denkansatz zu Grunde liegt, der für den Problembereich der Legasthenie keine zufrieden stellenden Erklärungen liefern kann. Vielmehr stehen psychische Beeinträchtigungen und die Legasthenie der Kinder und Jugendlichen in einem engen Wechselwirkungsverhältnis miteinander.

Der Zusammenhang von spezifischer Lernstörung und psychischer Fehlentwicklung ist von einer Reihe von Autoren dargelegt worden (vgl. H.GRISSEMANN; 1986). [...]

Generell kann es zu sehr unterschiedlichen Reaktionen des Kindes oder Jugendlichen kommen. [...] Problematisches Verhalten als Auswirkung von und als Reaktion auf anhaltende Versagens- und Frustrationserlebnisse manifestiert sich in verschiedenen Bereichen: in der Lern- und Leistungsmotivation, im Lernverhalten, im Sozial- und Kontaktverhalten, im Selbstbild/ Selbstkonzept des Kindes und in seinem körperlichen Befinden.

Die Sekundärsymptome können zusammengefasst im Wesentlichen durch ein Verhaltensdefizit (soziale Isolierung, Schüchternheit/ Gehemmtheit, Ängstlichkeit, Hilflosigkeit, Regression, Rückzug in frühkindliche Verhaltensweisen) oder durch einen Verhaltensüberschuss (Hyperaktivität, starke Impulsivität, Aggressionen wie Clownerien oder Provokation, Negativismus, Zwangsdenken) charakterisiert werden. [...]

Das Auftreten genannter oder ähnlicher Sekundärsymptome sollte ernst genommen werden und zu einer Überprüfung der sozialen Bewertung, die zum Beispiel auch durch den Lehrer geschieht, führen. Es ist jedoch deutlich geworden, dass ein isoliertes Lese- und Rechtschreibtraining alleine die entstandene Komplexität einer Lese-Rechtschreibschwäche nicht auflösen kann. Eine Zusammenarbeit zwischen Therapeuten und Schulpädagogen ist augrund der aufgezeigten Zusammenhänge unabdingbar."

[entnommen aus dem Fachbeitrag von CHRISTINE NEUKIRCHEN und PETRA GEWISS; in "Pädagogische, psychologische und sprachwissenschaftliche Beiträge zum Problem der Lese- und Rechtschreibschwäche"; hrg. v. Institut für Legastheniker-Therapie/ Köln]