MINT-Mobil im Biologieleistungskurs

Am 04.10.2017 besuchten Studenten der Universität zu Köln aus dem Fachbereich Biologie mit dem MINT-Mobil der Stiftung Wissen den Unterricht des Leistungskurses Biologie in der Q2. Im Gepäck hatten sie die verschiedensten Versuche rund um das Körperschema in der Großhirnrinde. Nach einer Filmsequenz zum Einstieg wurde die Frage aufgeworfen, warum wir ganz selbstverständlich wissen, ob wir beispielsweise gerade aufrecht stehen, auf der Couch liegen oder uns jemand am Arm berührt, selbst wenn wir die Augen geschlossen haben? Dieses Wissen über den eigenen Körper ist von Geburt an auf der Großhirnrinde präsent und hat eine große Bedeutung für alltägliche Handlungen. Erst bei Störungen der eigenen Körperwahrnehmung oder Sinnestäuschungen wird offenkundig, wie essentiell dieser Automatismus für uns ist.

Im Anschluss an einen kurzen Wissens-input über das Körperschema, die Funktionen der verschiedenen Hirnareale sowie den Aufbau der Großhirnrinde, hatten die Schülerinnen und Schüler bei verschiedenen Experimenten die Möglichkeit ihre Wahrnehmung von sich selbst zu überprüfen oder zu überlisten.

Bei der Rubber-Hand-Illusion wird gleichzeitig die nicht sichtbare linke Hand des Probanden und eine künstliche Hand, die für den Probanden sichtbar ist, mit einem Pinsel stimuliert (siehe Foto). Schon nach kurzer Zeit gewinnen einige Schülerinnen und Schüler das Gefühl, die künstliche Hand gehöre zu ihrem Körper. Erklärt wird dies dadurch, dass das Gehirn versucht, die Widersprüche zwischen den verschiedenen Sinneseindrücken zu verarbeiten und diese auflöst, indem es die sensorische Präzision verändert und damit seine Aufmerksamkeitszuteilung variiert. Da auf diese Weise der somatosensorische Input vermindert wird, verschwindet der Widerspruch zwischen den Informationen, die das Auge übermittelt und der Information über die Armposition. Das Gehirn unterdrückt also störende somatosensorische Informationen aktiv, wenn es mit zwei gegensätzlichen Informationen konfrontiert wird.

Bei der Hammer-Hand-Illusion gewinnt der Proband den Eindruck, seine nicht sichtbare Hand, auf die in regelmäßigen Abständen mit Hammer geklopft wird, bestehe aus Keramik und er fühlt, dass die Hand kalt und unbeweglich wird, weil er über einen Kopfhörer hört, wie der Hammer auf Keramik klopft. Auch hier werden vom Gehirn widersprüchliche Informationen völlig neu verbunden, so dass eine solche Täuschung entstehen kann.

BIO-MINT-Mobil-LK-2017 (c) KFG

Im Anschluss wurden die verschiedenen Versuche besonders unter dem Aspekt der psychischen Erkrankungen ausgewertet. Die Schüler und Schülerinnen erlebten einen beeindruckenden und motivierenden Workshop, dessen Inhalte den Themenbereich der Neurobiologie noch einmal gewinnbringend von einer ganz anderen Seite beleuchteten.

Larissa Pauly

Eine Lernstunde für alle fünf Sinne

BIO_2017_MintMobil

Am Donnerstag, dem 8. Juni 2017, nahm die Klasse 5d an dem MINTmobil Workshop „Unsere fünf Sinne – wie helfen sie, wie täuschen sie?“ teil. Das Projekt MINTmobil ist Teil der Initiative „Schule trifft Wissenschaft“ der Stiftung Wissen der Sparkasse KölnBonn.

Zu jedem Sinn gab es eine Station. Die Station „Sehen“ handelte von Blickwinkeln und von optischen Täuschungen. Beim „Hören“ ging es um Schallausbreitung und um Tonlagen. Ein Schmerzexperiment, das sich auf die Nervenzellen in der Haut bezog, durfte man bei „Tasten“ machen. Bei „Riechen und Schmecken“ erschnupperte und erschmeckte man Lebensmittel.

Das war wirklich eine Stunde für alle fünf Sinne.

Autor: Manuel Jaramillo, 5d

Foto: Kerstin Holbe

Unsichtbare Begleiter

BIO-2017-High2 (c) KFG

Der NW-Kurs am KFG wollte es wissen: Wie hoch ist die Keimbelastung in der uns umgebenden Luft? Zu diesem Zweck untersuchten wir die Luft an verschiedenen Orten des KFG, indem wir Petrischalen mit Nährböden für Mikroorganismen (Bakterien und Pilze) für 5 Minuten an verschiedenen Orten des KFG stehen ließen. Anschließend wurden die Schalen luftdicht verschlossen und im wärmeschrank bebrütet. An allen unteruchten Plätzen befanden sich Keime in der Luft, was nicht besonders erstaunlich ist, umgeben sie uns doch zu jeder Zeit, ohne dass wir sie spüren. Die Keime, die einzeln während der Öffnungszeit der Schalen dorthinein gefallen waren, wuchsen im Brutschrank zun stattlichen Kolonien (s. Foto) heran.

BIO-2017-High1

Diese konnten dann gezählt werden, was wiederum Rückschlüsse auf die Keimbelastung der Luft zuließ. Die Belastung war im Freien generell geringer, was zu erwarten war. Die Belastung auf der Toilette war jedoch deutlich geringer als in den Gängen der Schule. Die große Zahl an Menschen und die Aufwirbelungen der Luft scheinen dafür verantwortlich zu sein, so die Einschätzung des Kurses.

Social Egg Freezing: ein vieldimensionales Thema

Den Biologie-Leistungskursen der Stufe Q1 des Kardinal-Frings-Gymnasiums (Bonn) wurde eine große Ehre zuteil. Im Rahmen ihrer Initiative Schule trifft Wissenschaft hat die Stiftung Wissen der Sparkasse KölnBonn die Biologie-LKs der Q1 des KFG eingeladen, das Thema „Social Egg Freezing“ mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern auf einer dreiteiligen Schülerveranstaltung zu bearbeiten.

Nach einer Einführung in die biologischen Grundlagen der weiblichen Reproduktion sowie die Methode und Anwendung des Social Freezing am 17. Juni am Kardinal-Frings-Gymnasium, kamen die Schülerinnen und Schüler am 22. Juni zum zweiten und dritten Veranstaltungsteil in das ODYSSEUM Köln.

Dort wurde insbesondere die bioethische Kontroverse thematisiert. Mit Hilfe kooperativer Lernformen wurde der progressive Aufbau moralischer Bewertungskompetenz gefördert, so dass die Schülerinnen und Schüler dazu befähigt wurden, eigenständig ihr folgenreflektiertes Urteil in dieser Debatte zu fällen.

Anschließend diskutierten die Schülerinnen und Schüler ihr erworbenes Wissen auf der öffentlichen Podiumsdiskussion „Social Freezing – Baby auf Eis“ gelegt im ODYSSEUM Köln unter der Moderation von Martin Spiewak, einem Wissenschaftsjournalist der Wochenzeitung Die Zeit (Ressort Wissen) mit Expertinnen und Experten. Die Podiumsgäste waren:

  • Prof. Dr. med. Dr. theol. Matthias Beck, Moraltheologie, Universität Wien
  • Dr. phil. Franziska Krause, Ethik und Geschichte der Medizin, Universität Freiburg
  • Prof. Dr. med. Frank Nawroth, Facharzt-Zentrum für Kinderwunsch, Hamburg
  • Prof. Dr. med. Inka Wiegratz, Kinderwunschpraxis am Goetheplatz, Frankfurt

Die Podiumsdiskussion diente zugleich als Auftaktveranstaltung eines Fachsymposiums zu diesem Thema. Neben den Möglichkeiten der modernen Fortpflanzungsmedizin ging es auch hier um die ethische Kontroverse. Das Symposium bot 16 Expertinnen und Experten Raum für interdisziplinären Diskurs und intensiven Austausch.

Die gesamte Veranstaltung, bestehend aus öffentlicher Podiumsdiskussion, Fachsymposium und Schülerveranstaltung, wurde von der Stiftung Wissen der Sparkasse KölnBonn in Kooperation mit der Fritz Thyssen Stiftung Köln unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Corinna Hößle (Carl von Ossietzky Universität Oldenburg), StD in i.H. Monika Pohlmann (Universität zu Köln) und Prof. Dr. med. Katrin van der Ven (Universitätsklinikum Bonn) realisiert.

 Die Schülerveranstaltung wurde von den (Nachwuchs-)Wissenschaftlerinnen Dr. Wiebke Rathje und Julia Warnstedt vom Institut für Biologie und Umweltwissenschaften der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg konzipiert und durchgeführt.

 Eine solche Veranstaltung ist besonders gut geeignet, den Fragen des neuerdings abiturrelevanten Themas „Bioethik“ im Rahmen des Kompetenzbereiches Bewertung nachzugehen. Die inhaltliche Ausgestaltung des Biologieunterrichts lag bisher schwerpunktmäßig in den Bereichen Sachwissen und Erkenntnisgewinnung. Die im Studium den Lehrkräften vermittelten naturwissenschaftlichen Fakten und Methoden erweisen sich in einem dynamisch entwickelnden Fach wie der Biologie schnell als nicht endgültig, wie man z. B. im Bereich der Molekulargenetik sehen kann. Daran haben sich die Biologie-Lehrkräfte gewöhnt. Man bildet sich fort, lernt hinzu und auch die Schulbuchverlage liefern zu den neuen Themen wie Epigenetik und funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) ständig neue Materialien.

 Im neuen Kernlehrplan werden aber die Kompetenzbereiche explizit ausgeweitet; so trat neben der Kommunikation auch die Bewertung hinzu. Das mag für manche Lehrkraft mit Schwierigkeiten verbunden sein. Der Kompetenzbereich Bewertung greift vordergründig keine typisch biologischen Inhalte auf. Der Fachwissenschaftler fragt sich selten, ob und warum ein Sachverhalt wünschens- oder erstrebenswert ist. Auch verbinden wir vielfältige alltägliche Assoziationen mit dem Begriff Bewertung. So wird das Bewerten z. B. häufig mit dem Beurteilen vermischt. Im Gegensatz zum Beurteilen, „das eine nicht normativ geprägte Aussage über einen naturwissenschaftlichen Sachgegenstand meint“, darauf weist Frau Prof. Dr. Corinna Hößle vom Institut für Biologie und Umweltwissenschaften der Universität Oldenburg hin, „beschreibt das Bewerten das begründete Abwägen von Fakten, Konzepten, Methoden oder Handlungen hinsichtlich eines moralischen Maßstabes.“ Damit haben sich Biologie-Lehrkräfte bisher wenig beschäftigt.

An unseren erzbischöflichen Schulen sollten wir davor aber keine Bedenken haben, bietet es uns doch eine weitere Chance zur Profilierung. Wir möchten doch zur Wertereflexion und zur Auseinandersetzung z.B. mit demokratischen und sozialen Fragen anregen! Auch achten wir darauf, dass der Umgang miteinander von gegenseitigem Respekt und gegenseitiger Unterstützung geprägt ist.

 Das Verständnis biologischer Systeme erfordert, zwischen den verschiedenen Systemen gedanklich zu wechseln und unterschiedliche Perspektiven einzunehmen. Damit wird es möglich multiperspektivisches und systemisches Denken gleichermaßen zu entwickeln. In diesem Systemgefüge ist der Mensch Teil und Gegenüber der Natur. Dadurch, dass der Mensch selbst Gegenstand des Biologieunterrichtes ist, trägt der Unterricht zur Entwicklung individuellen Selbstverständnisses und emanzipatorischen Handelns bei. Die Individualität des Lebendigen unterscheidet die Biologie von grundlegenden Inhalten der Physik und Chemie.

Die Biowissenschaften sind heute für die gesellschaftliche Entwicklung weltweit von grundlegender Bedeutung. Ihre Erkenntnisse führen zu Perspektiven und Anwendungen, die uns Menschen als Teil und als Gestalter der Natur betreffen. Biologische Erkenntnisse beeinflussen zunehmend auch politische Entscheidungen. Sie berühren die Fundamente des Wertesystems der Gesellschaft. Das Bewusstsein über eigene (individuelle) Werthaltungen und moralische Maßstäbe sowie das Kennen der gesellschaftlichen Normen sind die Basis für Bewertungen. Von den Schülerinnen und Schülern erfordern diese Prozessabläufe die Fähigkeit zum Perspektivwechsel, um die Bewertungen anderer nachvollziehen und abschließend reflektieren zu können. Zuerst jedoch muss man sich zunächst intensiv mit der Schaffung des notwendigen biologischen und gesellschaftlichen Faktenwissens beschäftigen, also eine sog. Sachanalyse durchführen, um anschließend darauf zurückzugreifen.

 Im Rahmen der Veranstaltung erarbeiteten sich die Schülerinnen und Schüler die Vieldimensionalität des Themas in einem ersten großen Block in Kleingruppen anhand von fünf Topics, die anschließend auf einem „Museumsrundgang“ präsentiert wurden.

  1. Wie alt ist eine Frau im Durchschnitt beim 1. Kind? Was sind Gründe für eine späte Elternschaft? Was sind Gründe für den Rückgang der Fertilität im Alter? Hier war den Schülerinnen und Schülern zwar bekannt, dass seit vielen Jahren ein Trend besteht, Kinder immer später zu bekommen. Das durchschnittliche Alter der Frauen beim ersten Kind war ihnen jedoch unbekannt. So war die Verblüffung groß, als sie recherchierten, dass dieses Alter zwischen 1991 und 2012 von 26,9 auf 29,2 Jahre stieg. Das durchschnittliche Alter bei Geburten insgesamt lag 2012 sogar bei 30,4 Jahren. Inzwischen sind 4,2 Prozent der Gebärenden über 40, mehr als 20 Prozent über 35 Jahre alt. Insbesondere gut ausgebildete Frauen bekommen ihre Kinder spät oder bleiben dauerhaft kinderlos.
  2. Wie funktionieren die Entnahme und das Einfrieren von Eizellen? Was passiert im Körper der Frau? Welche Risiken gibt es?
  3. Wie funktionieren in vitro Befruchtung und das Einsetzen der Eizellen? Was passiert im Körper der Frau? Welche Risiken gibt es?
  4. Wie hoch sind die Kosten des Social Freezing? Wie sieht die rechtliche Situation aus? Wer verdient daran? Wo wird Social Freezing durchgeführt?
  5. Wie sie die berufliche Situation der Frauen in Deutschland aus (Abschlüsse, Frauen in Führungspositionen)? Welche Ursachen sind identifizierbar?

 Das Thema „Social Egg Freezing“ baut auf Techniken auf, die im Rahmen des sogenannten „Medical Egg Freezing“ entwickelt wurden. Bei bestimmten medizinischen Indikationen (z.B. Krebs) wurde die prophylaktische Kryokonservierung von unbefruchteten Eizellen im Rahmen einer Fertilitatsprotektion von Patientinnen vor einer toxischen Therapie (Chemotherapie) durchgeführt.

Im Gegensatz zum Einfrieren von z.B. Spermien und Körpergewebe muss bei den Eizellen auf eine Besonderheit geachtet werden: Eizellen enthalten im Unterschied zu anderen Körperzellen viel Wasser. Daraus bilden sich beim Einfrieren Kristalle, die beim Auftauen die Zellstrukturen beschädigen. Will man die Eizellen später wieder auftauen und dann befruchten, darf das keinesfalls geschehen. Einen großen Fortschritt stellte daher das ultraschnelle Einfrieren dar, die so genannte Vitrifikation, welche zu hohen Überlebensraten der Eizellen führt.

Inzwischen wird jedoch auch bei nichtmedizinischen Indikationen (z. B. aktuell kein Partner, Karriereplanung im Vordergrund usw.) die Kryokonservierung unbefruchteter Eizellen nachgefragt. In diesem Zusammenhang spricht man von „Social Egg Freezing“. Nicht nur die ethische Dimension eines „Social Freezing“ ist komplex und mehrschichtig. Da die eingefrorenen Eizellen, sollten sie später einmal befruchtet werden, immer einer In-Vitro-Fertilisation (IVF; oft als Reagenzglasbefruchtung bezeichnet) bedürfen, wobei die eigentliche Befruchtung mit der ICSI-Methode (die Intracytoplasmatische Spermieninjektion, bei der eine einzelne Samenzelle mit einer sehr feinen Nadel direkt in eine Eizelle eingeführt (injiziert) wird) vorgenommen werden muss, ist die Möglichkeit einer genetischen Schädigung groß, denn man kann das einzelne konkrete Spermium nicht vor der Injektion genetisch analysieren. Das Spermium hat sich aber auch nicht im Wettbewerb mit anderen Spermien (wie im Rahmen der der natürlichen Befruchtung) durchsetzen müssen. So ist also auch die Sachanalyse komplex und mehrschichtig.

Ob sich eine Frau ohne medizinischen Grund vorbeugend Eizellen entnehmen lassen und diese dann einfrieren lassen sollte, stellt eine typische Dilemma-Situation dar, für die es keine eindeutige Lösung gibt. In der Debatte um das „Social Egg Freezing“ stehen sich Befürworter und Gegner gegenüber. Sie nehmen unterschiedliche Werthaltungen ein. Eine einfache Lösung des Dilemmas mit richtig oder falsch bzw. „Gut“ oder „Böse“ ist unmöglich.

Die Autonomie der Frau wird nicht nur von Ethikern als ein wesentliches Gut angesehen, aufgrund dessen sie selbst entscheiden kann, ob sie eine Fertilitätsreserve anlegen lässt. Dieses Argument wurde auch schon genannt, als zur Behandlung bestimmter Erkrankungen die IVF eingeführt wurden.

Die Situation beim „Social Freezing“ bedarf aber einer mehrschichtigen Betrachtung, denn sie steht in einem größeren Zusammenhang. Denn wenn die Eizellen später für eine Schwangerschaft verwendet werden, müssen sie aufgetaut und in-vitro fertilisiert werden. Zur Befruchtung der Eizelle ist hier in jedem Fall die Methode des ICSI erforderlich.

Wenn sich eine Frau für die Konservierung unbefruchteter Eizellen entschließt, muss sie nur die Risiken für die eigene Gesundheit (im Wesentlichen die hormonelle Stimulation) tragen. Sollten die Eizellen später jedoch für eine Schwangerschaft genutzt, trägt die Frau zusätzlich die gesundheitlichen Risiken für das Kind, denn neben der IVF geht auch eine Schwangerschaft im höheren Alter mit zunehmenden Risiken für das ungeborene Kind einher.

Dabei ist es offensichtlich, dass die Konservierung der eigenen Eizellen weder das Problem der Partnersuche noch jenes der Vereinbarkeit von Berufs- und Familienleben löst. Dieser Aspekt kam auch in der öffentlichen Podiumsdiskussion zur Sprache.

Nach diesem Schaffen von biologischen und gesellschaftlichen Faktenwissen stellten die Schülerinnen und Schülern in Form eines Placemat mögliche Vor- und Nachteile des „Social Egg Freezing“ zusammen.

Vorteile

  • Der Kinderwunsch wird auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Frauen könnten im Sinne der Gleichberechtigung auch Karriere machen.
  • Eingefrorene unbefruchtete Eizellen können z.B. prophylaktisch als Fertilitätsreserve für später auftretende fertilitätsmindernde Erkrankungen, zum Beispiel eine vorzeitige ovarielle Erschöpfung, dienen.
  • Die verwendeten Eizellen werden i.d.R. einer Frau in einem jüngeren Alter entnommen, und tragen somit möglicherweise ein geringeres Risiko chromosomal bedingter Fehlbildungen, zum Beispiel Down-Syndrom.

Nachteile

  • Hohe Geburtenchancen (Baby-take-Home-Rate) treten nur bei mehrmaligen hormonellen Stimulationen und Eizellen-Konservierungen im Alter von weniger als 35 Jahren ein. Bis zu diesem Alter hoffen aber die meisten Frauen auf eine natürliche Schwangerschaft und lassen sich meist nicht prophylaktisch Eizellen entnehmen und kryokonservieren.
  • Die Kosten für jede Stimulation, Gewinnung, Entnahme und Kryokonservierung sind hoch. Hinzu kommen jährliche Kosten für die Lagerung sowie für die später erforderliche In-vitro-Fertilisation (IVF) der Eizellen und die Embryotransfers.
  • Es liegt ein erhöhtes Risiko für Mehrlinge durch den Transfer von in der Regel zwei Embryonen vor und dadurch bedingt höhere Schwangerschaftskomplikationen.
  • Die Datenlage bezüglich des Risikos epigenetischer Veränderungen und anderer Fehlbildungsrisiken durch die erforderliche IVF ist noch unklar.

Nach der Sammlung dieser komplexen Informationen ging es nun darum, anhand der verwendeten Argumente die Werte abzuleiten. Es war für einige sicherlich überraschend, dass es den Schülerinnen und Schüler des KFG so gut wie gar nicht um Werte wie Karriere, Geld etc. ging, sondern mehr um oft als traditionell bezeichnete Werte wie Familie, Menschenwürde, Zufriedenheit, Gesundheit und Respekt. Diese Werte wurden im Rahmen einer anonymisierten Pingo-Umfrage erhoben und als Begriffswolke dargestellt.

Im Rahmen eines Rollenspiels stellten die Schülerinnen und Schüler zum Abschluss eine Podiumsdiskussion nach. Neben der Rolle eines Moderatoren-Teams verkörperten die Schülerinnen und Schüler auch a) einen Chefarzt einer Fertilisationsklinik, b) einen Vertreter des Deutschen Ethikrates, c) eine Mitarbeiterin eines Lebensmittelkonzerns und Anwenderin der Methode des „Social Freezing“ sowie d) eine Theologin und Hochschuldozentin. Dabei konnten auch Fragen aus dem „Publikum“, welches von den anderen Schülerinnen und Schüler gebildet wurde, gestellt und beantwortet werden. Nicht zuletzt an diesem Punkt des Workshops konnte man eindrucksvoll beobachten, mit welcher Reife, Reflektiertheit und kommunikativer Brillanz die Schülerinnen und Schüler die Vielschichtigkeit des Themas aufgriffen und bearbeiteten. So wurden argumentativ die zu Grunde liegenden Werthaltungen der jeweiligen Rollenvertreter offengelegt. Dies ist wichtig, denn nur dann kann man sie mit den Werthaltungen der anderen Rollenvertreter vergleichen. Interessant war dabei, dass ohne das im Workshop auf die zwei philosophischen Grundpositionen, deontologische und konsequenzialistische Ethik, explizit eingegangen wurde, Argumentationsansätze zu beobachten waren, die sich auf höchste Prinzipien bzw. absolut gesetzte Werte bezogen und somit die Phase vor einer Handlung beurteilten. Andere argumentierten eher konsequentialistisch, d.h. sie beurteilten eine Handlung v. a. nach ihren Folgen und demnach die Phase nach einer Handlung.

 In der öffentlichen Podiumsdiskussion bestand Konsens darüber, dass die Rat suchenden Frauen individuell und vor allem ehrlich beraten werden müssten. Zu Beginn der Diskussion fielen vor allem die geringen Fallzahlen auf. Pro Jahr werden in der Fertilitätsklinik in Hamburg und in Frankfurt a.M. nur jeweils etwa 40 Frauen beraten, wobei nur etwa 50% sich dann tatsächlich Eizellen vorbeugend einfrieren lassen; bei weitem also nicht Fallzahlen von mehr als 1000 im Jahr! In mehr als 80% der Fälle war der Grund für die Beratung aber nicht die zumeist angenommene Karriereplanung der Frau, sondern der fehlende Partner.

 Es wurde auch kurz die Frage angesprochen, was mit den Eizellen und insbesondere den befruchteten Eizellen in Form Embryonen geschehen soll, wenn diese nicht für eine Schwangerschaft genutzt werden. Theoretisch möglich ist eine Spende an sterile Paare, eine Nutzung in der Forschung oder eine Vernichtung. Ob sich durch das „Social Freezing“ Eizellspenden reduzieren, ist bisher nicht abzuschätzen. Möglicherweise wird aber gerade die Eizellspende gefördert, da Frauen sich auf ihre angelegte Fertilitätsreserve verlassen, jedoch in der Mehrzahl der Fälle mit dieser keine Geburt generieren dürften.

 Später ging es dann u.a. um Zahlen zur Erfolgsquote. Wichtig ist es dabei, zwischen der Schwangerschaftsrate, der häufig von Reproduktionsmedizinern genannten Zahl, und der Lebendgeburtrate, der sog. Baby-take-Home-Rate, zu unterscheiden. So kam es in den letzten Jahren pro Embryotransfer unabhängig vom Alter der behandelten Frau in durchschnittlich 26 % der Fälle zu einer Schwangerschaft. Die Lebendgeburtrate liegt dagegen nur noch bei rund 15 %. Entscheidend für die Erfolgsaussichten der Kryokonservierung von unbefruchteten Eizellen ist neben der erforderlichen Eizellzahl vor allem das Alter der Frau zum Zeitpunkt der Kryokonservierung. Interessanterweise liege das durchschnittliche Alter, in dem Frauen über ein „Social Freezing“ nachdenken, mit etwa 38 Jahren deutlich oberhalb dessen, was als optimal anzusehen wäre (ca. 25 Jahre), um später ein ausgewogenes Verhältnis von Kosten und Nutzen zu erreichen

 Das Netzwerk Fertiprotekt gibt pro Eizelle die durchschnittliche Chance für die Geburt eines Kindes mit 8 Prozent an. Etwa 76 Prozent der aufgetauten Eizellen können mittels ICSI befruchtet werden. Je nach Alter zum Zeitpunkt der Eizellentnahme nisten sich 7 bis 12 Prozent der transferierten Embryonen in der Gebärmutter ein. Ein Teil der Schwangeren erleidet danach eine Fehlgeburt. Allerdings stützen sich diese Angaben nicht auf Daten, die direkt aus der Anwendung des Social Freezing gewonnen wurden, da es dafür bisher kaum Daten gibt. Stattdessen werden sie aus Daten von IVF- und ICSI-Zyklen mit frischen Eizellen oder aus Behandlungen mit kryokonservierten Eizellen, die aus Eizellspenden stammen, abgeleitet. Diese sind jedoch nur sehr bedingt auf die Situation beim Social Freezing übertragbar.

 Neben Anmerkungen zur Verwendung einer exakten Sprache ließ der Biomedizinexperte und Moraltheologe Prof. Matthias Beck mit Erkenntnissen über die Gefahren der Fortpflanzungsmedizin aufhorchen. So würde eine jüngst in Deutschland publizierte Studie nachweisen, dass die bei der In-vitro-Fertilisation (IVF) verwendeten Nährlösungen für befruchtete Eizellen später beim Kind schwere Gefäßerkrankungen nach sich ziehen können. Auslöser für die in der deutschen Studie festgestellte Gefährdung ist die mit Antibiotika angereicherte Nährlösung in der sogenannten Petri-Schale, in der sich die befruchtete Eizelle bis zu sechs Tage vor dessen Einsetzung in die Gebärmutter befindet. Dabei sei hochproblematisch, dass die Inhaltsstoffe der Nährlösung nicht deklariert seien. „Solch ein Medikament würde nie eine Zulassung bekommen“, betonte Prof. Beck.

 Als ein weiteres schwerwiegendes ethisches Problem nannte der Prof. Beck den Umstand, dass zur Steigerung der Erfolgsquote oft mehrere befruchtete Eizellen transferiert würden, was gehäuft  zu Mehrlingsschwangerschaften und den damit verbundenen Komplikationen führe. Ein Folgeproblem bei den Mehrlingsschwangerschaften sei dann oft der damit verbundene Fetozid. So komme es immer wieder vor, dass bei Risikoschwangerschaften mit mehreren Embryonen einer oder sogar mehrere im Mutterleib absichtlich getötet werden, auch wenn diese gesund seien.

In der öffentlichen Diskussion wurde u.a. von unseren Schülerinnen und Schülern darauf hingewiesen, dass heutzutage die Bereitschaft (früh) Kinder zu bekommen eher ein gesellschaftliches Problem sei. Versuche, einem Optimierungswahn folgend, alles planbar zu machen, seien zum Scheitern verurteilt.

„Es gibt keine 100%ige Sicherheit! Es gibt keinen optimalen Zeitpunkt, um schwanger zu werden! Und es gibt auch keinen optimalen Partner!“, so stellte KFG-Schülerin Felicitas in der Podiumsdiskussion klar! Ein Kind sei nicht eine Sache wie ein Auto, über dessen Anschaffung einschließlich der enthaltenen Extras man planen könne: „Mein Haus, mein Auto, mein Boot!“ Aber: „Meine Kinder?“ Kinder seien Menschen, und also solche dürfen sie nicht Produkte einer interessengeleiteten Werbung sein, so eine starke Strömung im Publikum, die viel Beifall bekam. Daher stellte sich die Frage, warum z. B. in den USA Firmen wie Apple und Facebook so viel Werbung für das Social Freezing machen. Geht es hier also nicht vielmehr um eine Ökonomisierung aller Lebensbereiche, um eine Ausbeutung der Arbeitskraft von Frauen zum Zwecke höherer Produktivität? Besteht nicht die Gefahr, dass mit dieser Methode Kinder nur noch dann geboren werden, wenn gerade „nichts Wichtiges“ ansteht. „Social Freezing“ sei mit seiner hinausgeschobenen Mutter- bzw. Elternschaft ein eher unmoralisches Angebot an Frauen!

Obwohl allen die aktuellen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die zur oft schlechten Vereinbarkeit von Beruf und Familie beitragen, bekannt seien, wurde aus dem Publikum heraus nach „mehr Mut“ zum Kind gerufen. „Social Freezing“ löse nicht alle Probleme.

Die dreiteilige Veranstaltung war ein voller Erfolg! Das KFG und die betreuenden Fachlehrer Achim Huntemann und Markus Möhring danken den Organisatoren und Durchführenden ganz herzlich für das gelungene Projekt. Gerade wenn man bedenkt, wie schwer es ist, ein solch vieldimensionales Thema für eine unbekannte Lerngruppe vorzubereiten, gilt allen Beteiligten der höchste Respekt.

 Markus Möhring, StD i.K., Stellv. Schulleiter am Erzb. Kardinal-Frings-Gymnasium, Bonn